Carnaval – Karneval – eine Narrenwelt
Narrenwelt der Zahlen
Mark Twain (1935-1910) hat es gewusst:
„Ich schätze, wir sind alle Narren. Von Geburt an, wahrscheinlich.“
Aber über die Zahl der Narren auf der Welt gibt es auch andere Meinungen. Statistik ist deshalb ein geeignetes Werkzeug zur Analyse der Narrenwelten. Damit ist sie auch ein wunderbares Instrument für Narren jeder Art, die Narrheit zu analysieren.
Een Vandaag – eins heute – heißt das Nachrichtenprogramm des Senders AVROTROS. Es bietet interessierten Zuschauend die Möglichkeit, an online-Befragungen zu verschiedenen Themen teilzunehmen.
Vom 1.-8. Februar 2013 hinterfragte man Carnaval bei Jugendlichen zwischen 12 und 24 Jahren (Jongerenpaneel). Von den 2.650 Befragten waren 413 in Brabant aufgewachsen, 512 in Limburg, die restlichen 1653 andernorts im Land.
… 68% der Jugendlichen aus Brabant und Limburg waren wegen Karneval stolz auf ihre Region. Allerdings ärgerten sich 39% über die Touristen aus anderen Landesteilen, die onder de rivieren – unterhalb der Flüsse – Karneval feiern wollten.
… 55% der Jugendlichen hatten schon einmal Karneval gefeiert
… 25% planten, 2013 zu feiern.
Am schönsten fanden sie die Atmosphäre/Geselligkeit, gefolgt von Karnevalskostümen und Prunkwagen.
… 93% der Karnevalsfeiernden verkleideten sich und
… 54% von diesen plante die Verkleidung mehrere Wochen im Voraus
Auffallende Unterschiede fand man bei der Rolle des Alkohols:
… 57% der Jugendlichen aus Brabant sahen Alkohol und Karneval untrennbar verbunden
… 45% der Jugendlichen aus Limburg sahen das auch so.
In Limburg wurde Karnevalsmusik mehr geschätzt
… 89% der Limburger Befragten konnten Karnevalslieder im Dialekt mitsingen,
… 55% der Befragten aus Brabant konnten das ebenfalls.
… 80% fanden es wichtig, Traditionen zu erhalten,
… 48% fanden es wichtig, nicht nur zu feiern, sondern auch bei Traditionellem mitzumachen
… 46% würden gern selbst Karnevalsprinz sein,
aber die Hitliste bei Karneval war: Karnevalsumzüge – Karnevalslieder – Karnevalsprinzen
Zahlen und Details dieser Umfrage können Sie downloaden unter
http://www.eenvandaag.nl/uploads/doc/Rapportage%20carnavalsonderzoek.pdf (Anm. d. Red. 18.01.21: PDF leider nicht mehr verfügbar)
Uns schienen diese Ergebnisse interessant und vielversprechend. Eine weitere Umfrage, die im Januar 2015 zu Schlagzeilen führte, bestätigt hingegen eine gewisse Verunsicherung:
http://www.vastelaovendinlimburg.nl/2015/01/28/het-vuur-van-vastelaovend-dooft-met-de-jaren/
Im Jahr 2014 gab nämlich Dagblad de Limburger (DDL) eine Umfrage zu Thema Limburg und Vastelaovend in Auftrag, deren Ergebnisse zur Karnevalszeit 2015 in mehreren Beiträgen berichtet wurden.
Von den befragten repräsentativ gewählten 500 Limburgern, die 18 Jahre und älter sind,
… feiern 49% nicht, | sie___-bleiben lieber zuhause ______fahren in Wintersport ______arbeiten ganz normal |
62% 13% – seit der Krise weniger als sonst??? 25% |
… haben 40% | ______der 50-Plusser vor 10 Jahren noch gefeiert, jetzt aber nicht mehr ______Wegen der Überalterung der Bevölkerung nimmt die Gruppe der Karnevals-Müden ______zahlenmäßig weiter zu ______ ______Als Gründe werden genannt: ______ ______dass es körperlich zu anstrengend ist ______dass es zuhause auf dem Sofa bequemer ist ______dass man lieber Fernsehen guckt ______dass das Bier draußen zu teuer ist ______dass die laute Musik der Jüngeren abschreckt (Festivalisierung) |
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(Das Wort „Festivalisierung“ ist übrigens nicht ganz unproblematisch) | ||
… sagen 60% | ______aller Befragten ______dass alte Karnevalstraditionen immer mehr verloren gehen ______das denken von den 50-plussern 68% ______das denken von den 30-plussern 59% |
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![]() In Zahlen vernarrt |
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… feiern 51% | ______aller Altersklassen ab 18 sie___-gehen zum Karnevalszug und/oder in die Kneipe_____75% ______nehmen aktiv am Karnevalszug Teil________________22% x sie___-gehen nur noch an 1 oder 2 Tagen aus_____________40% |
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… feiern 39% |
______der 50-plusser | |
… feiern 70-75% | ______der 18 -29-Jährigen ______Wegen der geburtenschwachen Jahrgänge schrumpft die absolute Zahl ______dieser Karnevalsfans. |
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… müssen 34% | ______der 18 bis 29-jährigen ______unbedingt Carnaval haben |
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In einer Provinz, in der das Thema „Überalterung“ in den Medien täglich gegenwärtig ist, sind diese Begeisterungswerte der 18 bis 29-Jährigen ziemlich erfreulich. |
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(zur Altersstruktur Limburgs lesen Sie gern unseren Beitrag „Fietsen op zijn Limburgs – Radfahren auf Limburgs Art und Weise, S. 3„, klicken Sie den Bakfiets-Button an für statistische Werte) | ||
… bestätigten 58% | ______aller Befragten: ______zu Carnaval gehört nichts als Carnavalsmuziek ______davon 42%: Carnavalsmuziek nur aus der eigenen Region ______aber 35%: Carnavalsmuziek, aber keinesfalls nur aus der eigenen Region |
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… bestätigten 21% | ______aller Befragten: ______nur mit Carnavalsmuziek sind wir nicht oder nicht ganz einverstanden |
Leider konnten wir nicht den vollständigen Bericht einsehen. Die Angaben entnahmen wir den Berichten DDL vom 17.01., 24.01. und 07.02.2015, deren Schlagzeilen wir oben zitiert haben.
Erkenntnisse
Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass die Zahl der Karnevalisten über die Jahre stetig abnimmt (DDL 24.01.2015).
Sie riefen wohl außerhalb der Provinz mehr Reaktionen hervor als in Limburg selbst. Sie erstaunten außerdem eher den Karnevalisten als den „Fachmann“ (DDL 17.01.2015) und erbrachten einige Erkenntnisse, die „gefühlt“ längst vorhanden waren und trotzdem hier und da „ernüchternd“ wirkten (DDL „Carnaval“ 20.01.2015).
John van de Beek bezeichnet in seiner Kolumne „Aan de Kant“ (DDL, 26.01.2015) die verhaltenen Reaktionen als Limburgs „Ohrenbetäubende Stille“. Er vermutet, dass die Gründe für das nachlassende Interesse an Karneval tiefer liegen, dass sie durchaus bis zur Frage nach Limburgs Identität führen.
Im Kommentar (DDL Carnaval“, 20.01.2015) heißt es, das Selbstbild der Limburger von großen Massen verkleideter, schunkelnder und singender Menschen sei eher eine verlockende Vorstellung des Gouverneurs der Provinz sowie von Interessensvertretern aus Gastronomie und Tourismus.
Karneval, so heißt es weiter, verändere sich dauernd und werde im Jahr 2015 von der jungen Generation getragen, die ihn immerhin zu 70-75% mitfeiere.
Theo Fransen, Soziologe und Carnavaloog – Karnevals-Wissenschaftler, führt weitere Gründe an: die immer strengeren Regelwerke beim Karnevalsfeiern sowie die Tatsache, dass man zum „umherziehen“ mindestens zwei Lokale braucht – weshalb auch der Rückgang der Kneipen und Cafés in kleineren Orten zum Nachlassen des Karnevalsfiebers beiträgt. (DDL en Guus Urlings, 24.01.2015)
Was sagt uns das?
Dass ältere Limburger eher befürchten, über dem Karneval braue sich ein Sturm zusammen, während jüngere Limburger Karneval nach ihrem Geschmack finden.
Wie verabschieden uns ganz wertneutral aus dem Thema, schmeißen statt snoepgoed (Kamelle) zwei weitere – als Gastbeitrag „kölsche“ – Zitate in den Beitrag
Jeder Jeck ist anders
und
We gek weed, dem fängk et em Kopp an
und dann laden wir Sie ein, den zweiten Beitrag unserer Schnuppertour durch Limburgs Karneval zu lesen. Dort geht es darum, wie Närrischsein, Alt, Jung und Kreativität zusammen gehen – und ob Limburgs Karneval wirklich stürmische Zeiten drohen …?
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