Carnaval – Karneval – eine Narrenwelt
Narrenwelt der Ökonomie
Vastelaovend oder Carnaval ist für alle, die feiern, bis ins eigene Portemonnaie hinein ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftsfaktor. Von denen, die nicht feiern, sehen einige Steuergelder verschwendet, andere hören wohlgelaunt die eigene Geschäftskasse klingeln…
Einzelhandel
Allein für Kostüme und Accessoires gab 2014 der niederländische Karnevalist durchschnittlich 50,27€ aus, berichtet der DDL Beitrag vom 18.01.2015: „Meer dan een 1,1 milijard omzet in carnavalskleding“ – mehr als 1,1 Milliarden Euro Umsatz mit Karnevalsbekleidung.
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Kurzer Blick durch ein Schaufenster | Kurzer Blick auf ein Schaufenster |
Von den insgesamt mehr als 1,1 Milliarden € Umsatz mit Karnevalsbekleidung, so heißt es in der Zeitung, werden allerdings etwa 1 Milliarde von Deutschen ausgegeben, die in manchen niederländischen Geschäften mit Karnevalsartikeln bis zu 85% der Kunden ausmachen. Bei Gruppen mit mehr als 100 Kostümen kann übrigens der Stückpreis durchaus mal zwischen n u r 25 € und 50 € liegen. (Jos Bouten: Carnaval is in de mode, DDL 17.01.2015).
Von den etwa 900.000 Limburgern über 18 (CBS Centraal Bureau voor de Statistiek, 2014), die zu 51% Karneval feiern, sind das 459.000 Menschen und bei durchschnittlich 50,27€ schon mehr als 22 Millionen Euro…
Im deutschen Handel wird Karnevalskleidung häufig kurzfristig und saisonal in Kaufhäusern oder Supermarktabteilungen angeboten.
Dagegen haben sich in den Niederlanden eher Einzelunternehmer auf Karnevalsartikel spezialisiert, bieten auch in mehreren Niederlassungen ein großes Sortiment, reagieren auf Moden, Trends, Kundenwünsche und erreichen ihre deutschen Kunden per Internet – oder in Filialen, wie z.B. in Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Würselen… (DDL Jos Bouten: „Carnaval is in de mode“, 17.01.2015)
Es scheint sich zu rechnen…
Neben Kostümierung (Kleidung und Accessoires) mit den oben genannten 1,1 Milliarden € Umsatz (2014), wird im Karneval Geld für so unbeschreiblich viele Waren und Leistungen ausgegeben, dass wir keine davon aufzählen möchten. Schauen Sie sich einfach selbst um.
Öffentliche Kassen
Limburger errechnen neben allem Spaß an der Freud auch, dass man niemandem etwas schuldig bleib, weil Carnaval trotz der Kosten für den Steuerzahler genügend Geld erwirtschaftet.
Aber das sehen andere rechnende, nicht-limburgische Narren ein wenig – oder sogar völlig – anders…
„Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“
(Devise der englischen Hosenbandorden, von uns zweckentfremdet …)
(In den Nachrichten: Die wirtschaftliche Wirkung von Karneval ist gleich Null)
https://www.ing.nl/nieuws/nieuws_en_persberichten/2015/02/economisch_effect_van_carnaval_is_nul.html (Anm. d. Red. 20.03.23: Bericht nur noch via web.archive.org zu erreichen.)
Im Bericht der niederländischen Finanzdienstleisters ING vom 16.02.2015 wurden nämlich völlig andere Aspekte berücksichtigt:
… Wenn gefeiert wird, fallen produktive Arbeitsstunden weg, schrumpft das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um entsprechende Euros.
… Wenn Karnevalstouristen aus anderen Provinzen ihr Geld im Karneval in Limburg (oder in Noord-Brabant) lassen, kann es in den Herkunftsprovinzen nicht ausgegeben werden und bedeutet nur eine Verschiebung nationaler Geldflüsse.
… Wenn Karneval ein alljährlich wiederkehrendes Ereignis ist, ist es mit einer bestimmten Summe im BIP berücksichtigt. Es sind die einmaligen Events, die unvorhersehbar Werte für Waren und Dienstleistungen schaffen und somit einen sichtbaren ökonomischen Effekt haben.
Auch die Rekenkamer, die etwa dem deutschen Bundesrechnungshof entspricht, veröffentlichte am 16.02 2015 ihre Kostenrechnung zu Karneval.
http://www.vastelaovendinlimburg.nl/2012/02/16/de-rekenkamer-berekent-de-kosten-van-carnaval/
Ein paar Details?
Eine Gemeinde wie Sittard-Geleen gibt durchaus für Karneval 65.000 € aus für Förderungen, (30 T€), Reinigung (20 T€) und Polizei (15 T€). Krankenhauskosten z.B. wegen Alkoholmissbrauch oder Verletzungen bei Handgemengen im Karneval kosten den niederländischen Steuerzahler etwa 375.000 €, der Produktivitätsrückgang „kostet“ 300 Millionen € (siehe auch ING).
Dem gegenüber stehen die Ausgaben von 1,5 Millionen Karnevalisten, die neben Kleidung auch für Essen und Getränke pro Person etwa 180 € im Jahr betragen. Macht 270 Millionen Euro. Und beim Mittelstand landen offenbar karnevalsbedingt weitere 30 Millionen Euro Umsatz…
Damit sind wir wieder bei einer schwarzen „Null“. In dieser Argumentationskette können wir sie uns aber besser vorstellen und finden bestätigt, dass „dahinter“ die Wirtschaft kräftig „dreht“.
Wir denken uns unseren Teil dazu …
… dass Limburgs Karnevalisten ihr Geld offenbar für eine besondere Form von Urlaub in der eigenen
Provinz ausgeben (das Geld könnten sie ja auch sparen oder in New York vershoppen)
… dass niederländische Karnevalstouristen aus anderen Provinzen anreisen und ihr Geld während dieser Karnevalsurlaubs- und -freizeiten ebenfalls nicht im Ausland ausgeben – sondern in Limburg
… dass der Karneval zusätzlich viel Geld aus Belgien und Deutschland in die Kassen der Karnevalsprovinzen spült
… dass Limburgs wirtschaftlicher Beitrag zum BIP im Februar schon deshalb geringer ausfällt, weil in Limburg der Karneval mit den Frühjahrsferien zusammen fällt (schon wieder unproduktive Stunden)
… und es geht noch weiter …
… dass man glücklicher werden kann, wenn man das Ende der dunkle Jahreszeit fröhlich feiert,
… dass glückliche Menschen gesünder und länger leben (siehe auch Fietsen!!!)
… dass eine längere Lebenserwartung die Rentenkasse teuer zu stehen kommt
… dass aber vielleicht die Krankenkassen bei 1,5 Millionen glücklichen und gesunden Narren Geld einsparen
Bei so vielen guten Nebenwirkungen kriegt man eigentlich gleich Appetit auf mehr Karneval…
… und auch dazu haben wir natürlich wieder ein passendes Zitat, das wir wieder bei diesem besonders berühmten Niederländer ausleihen:
„Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.“
Erasmus von Rotterdam (1469-1536), holländischer Theologe, Philologe und Humanist
Sie sehen, man muss wirklich riesige Rechnungen aufmachen, wenn man allen Seiten gerecht werden will. Wir wollten es auch eigentlich nur erwähnen, denn das alles läuft mehr oder weniger unsichtbar im Hintergrund ab, während im Vordergrund ganz einfach nur Vastelaovend gefeiert wird.
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