Carnaval – Karneval – eine Narrenwelt
Narrenwelt der Politik
Mit den Eigenheiten des rheinländisch gefärbten Karnevals sind wir mitten in der Politik angekommen.
Unsere Nachbarn in Limburg haben weiß Gott intensivst Erfahrung mit wechselnden Herrschafts-Verhältnissen gemacht. (https://nl.wikipedia.org/wiki/Geschiedenis_van_Limburg). Wir werden bei unserer Schnuppertour gelegentlich ausführlich über die Geschichte der Provinz berichten, denn schon historische Zeiten machten aus den heutigen Limburgern einen bewegten Menschenschlag.
Limburger waren mal dafür, mal dagegen, mal hier dafür und da dagegenund häufig einfach machtlos
den Beherrschern der Welt ausgeliefert.
Deshalb fragen w i r uns: Sind die Limburger vielleicht aus tiefster Seele und historischer Gewohnheit heimliche Revolutionäre? Findet sich vielleicht darin die Antwort auf die Frage, warum laut DDL-Artikel eine Hälfte von ihnen Karneval meidet?
Verstecken sie ihr Streben nach Veränderung narrenklug in einer Tradition nach rheinländischem Karnevalsvorbild? Dort geht es schließlich um den Umsturz von Machtverhältnissen!
Sie haben ja keine Ahnung, was sich alles unauffällig üben lässt während des alljährlichen rheinländisch-karnevalistisch notwendigen Umsturzes!! In einer so europäisch-zentral gelegenen Region gibt es viel zu verwalten und zu regieren, so dass es auch viel umzustürzen gibt. ;0))
Die Flagge
Zu Karneval wechselt die Flagge der Provinz ihre Farbe!
Die Farbe des Karnevals ist rot-gelb-grün, nur lokal begrenzt mischt sich auch blau ein, in Munstergeleen und Venlo beispielsweise. Zur ihrer normalen Färbung geben wir Ihnen hier ein paar Kurzinfos, kopiert und übersetzt aus
https://www.limburg.nl/Over_Limburg/Wapen_Vlag_en_Volkslied/De_Limburgse_vlag
(Die offizielle Flagge der Provinz Limburg und die Karnevalsfahne haben w i r wegen unseres Themas eigenhändig so aneinander montiert, normalerweise handelt es sich um 2 Flaggen – aber was ist schon normal im Carnaval)
Sobald also Limburgs Löwe im Zeichen von rot-gelb-grün steht, ist es für die Dauer des um die Menschen in der Provinz geschehen und auch die Tage des herrschenden Regimes sind gezählt: Rot, Gelb, Grün ist nämlich gewissermaßen die Farbe von
Seit dem Ende der napoleonisch-französischen Herrschaft vor gut 200 Jahren griffen bemühte Karnevalisten, in Vereinen organisiert, ordnend in den Karneval ein.
Der Karneval in Köln, das nach dem Abzug der Franzosen seit 1815 preußisch war, wurde 1823 mit der Gründung des „Festordnenden Comites“ neu belebt und geordnet, vermehrt um die Komponente der Kritik an der (fremden) Obrigkeit: ein „kulturpolitischer Streich mit humoristischem Ambiente“.[10]
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6lner_Karneval
10 Peter Fuchs, Max-Leo Schwering: Kölner Karneval. Zur Kulturgeschichte der Fastnacht. Greven Verlag, Köln 1972, ISBN 3-7743-0089-5, S. 8.
Eine geordnete Revolution also. Närrisch, was?
Aber
„Der Karneval ist ein Fest, das dem Volk eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst gibt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
Das hat Goethe erkannt, obwohl so etwas bei der deutschen Liebe für Obrigkeiten sicher nicht leicht zu beobachten war!!!
In den Niederlanden, wo das Gleichheitsdenken tiefer verwurzelt ist (siehe auch: Fietsende Nederlanders – Radfahrende Niederlaender, S. 3), ist solches Brauchtum hauptsächlich in den katholischen Regionen verbreitet.
Erasmus von Rotterdam formulierte, was wir eigentlich sagen möchten (obwohl er es etwas anders gemeint hatte …):
„Diese Narrheit erzeugte Städte; durch sie bestehen Regierungen, Obrigkeiten, Religion, Ratschlüsse und Richterstühle; und das menschliche Leben selbst – was ist es andres als ein Spiel der Narrheit.“
Erasmus von Rotterdam (Übersetzer: Wilhelm Gottlieb Becker) aus: Lob der Narrheit
Nach rheinisch-närrischem Vorbild
stellt man die Welt auf den Kopf,
kehrt das Unterste zuoberst,
sagt ein paar Tage lang, wo es lang geht,
verhöhnt jede Obrigkeit damit, dass man ihr einen Spiegel vor hält.
… denn ….
„Narrheit gibt Freiheit.“ (N.N.)
Die Herrschenden mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, das geht nicht mit Anarchie sondern mit „Nachahmen/Nachäffen“. Man zeigt ihnen, wie lächerlich sie sich gebärden, und schafft dafür eine Gegenwelt.
Herrschenden wirklich den Spiegel vorhalten ist natürlich eine komplexe revolutionäre Aufgabe, die nach dem Verständnis organisierter Narren wohlorganisiert sein muss, nach Meinung anderer Narren nicht so gestelzt und voller Regeln daher kommen sollte.
Dazu gehören nämlich …
Machtübernahme, Absetzen der alten Machthaber |
und | Sicherung territorialer Ansprüche |
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Schlüsselübernahme – ohne Fingerabdrücke |
Errichtung eines Narrenreiches, z.B. „Hühner-Reich“ Maasbracht/Brachterbeek |
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Massenkundgebungen | Bestimmung eines Revolutionsrates | |
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Straßenkarneval | Elferrat | |
Regierungsprogramm, | Wahre Herrscher „Prinz“ (nur ganz selten mal eine Prinzessin) immer mit 3 Fasanenfedern!!! |
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Prinzenproklamation | ||
Hoheitszeichen, z.B. Zepter | Allianzen eingehen | |
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Gleichschaltung von Medien | ||
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(DDL 13.02.2016: Sender übertrumpfen sich mit Karnevalsverrücktheiten) | ||
Aufbau militärischer Strukturen | ||
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http://www.stadtsgarde-roermond.nl/ | ||
Nationalhymne | Belohnungsrituale | |
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Wettbewerbe Karnevalslieder | Karnevalsorden |
Das närrische Herrschaftskonzept scheint ein echtes Erfolgsmodell zu sein …
Alljährlich finden Prinzentreffen statt, an denen durchaus mehr als 100 Prinzen aus mehr als 100 „Reichen“ teilnehmen. So lange es um Kleinstaaterei geht, besteht natürlich noch kein Grund zur Sorge um die politische Stabilität der Provinz.
Während also organisierte Karnevalisten so die Revolution üben, bekommt das Volk was die Römer „panem et circenses“ – Brot und Spiele – nannten. Es stürmt während der närrischen Revolution die Straßen und Plätze, denn Limburgs Vastelaovend ist vor allem ein Straßenkarneval (googeln Sie mal Bilder zu Boetezitting – Straßenkarneval/Draußensitzung/Freiluftsitzung).
„Für die Gesundheit und ein langes Leben ohne großen Kummer weiß ich kein besseres Mittel als die Narrheit“
Michelangelo Buonarroti (*1475 in Caprese, + 1564 in Rom) italienischer Maler, Bildhauer, Dichter und Architekt
Mehr dazu in unserem zweiten Beitrag zu Vastelaovend in Limburg.
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